Gerade durchstreifen wir die Extremadura Richtung Madrid. Hinter uns liegen knapp 3 Tage im wundervollen Nationalpark des Tejo in Portugal! (Parque Natural do Tejo Internacional). Dieses herrliche Stück Erde passt perfekt zu Portugal (auch wenn es bis nach Spanien hinein reicht…) – umwerfende Natur. Portugal ist so grün und bewaldet, dass es so gar nicht zu dem doch deutlich kärgeren Spanien passt. Das Klima des Atlantiks lässt es deutlich häufiger regnen – zur Freude der Natur – manchmal auch zum Leide der Touristen. Genug der einleitenden Worte.

Wir sind laut Plan auf dem Weg nach Spanien zur Alcantara Brücke. Von Castelo Branco geht es über die N240 Richtung Osten. Wir bestaunen (mal wieder) die scheinbar unendlichen Wiesen und Wälder der Weidetiere und saugen diese Natureindrücke in uns auf. Spontan entscheiden wir uns dann aber vom Kurs abzuweichen und gen Süden in den Nationalpark einzubiegen. Die Hinweise am Straßenrand machen uns neugierig. Eine lohnende Entscheidung. Wir folgenden den Schildern immer tiefer in den Park hinein und schlängeln uns durch die schmaler werdenden Straßen. So langsam kommt Unruhe auf den hinteren Plätzen auf, so dass wir dringend nach einem Nachtlager Ausschau halten müssen. Nicht so leicht – links und rechts alles abgesperrt und die Straße eng. Plötzlich erheben sich neben unserem rollenden Heim 4 Adler aus dem Dickicht, die wir mit unserem diesellärmenden Motor wohl etwas erschreckt haben. Wir sind völlig überrascht und erstarren vor Ehrfurcht, wie sich diese riesigen Tiere mühevoll mit kräftigen Flügelschlägen in die Höhe heben. Wir schauen ihnen nach und folgen ihren Kreisen am Himmel. Für uns ein absolut beeindruckendes und einmaliges Erlebnis. So etwas habe ich noch nie gesehen. Natürlich haben wir KEIN Foto, da wir in dem Moment keine Kamera zur Hand hatten – auch eine spätere Suche nach den Tieren an gleicher Stelle bleibt erfolglos. Es überdauern aber die schönen Bilder in unserem Kopf. 😉

Es bleibt uns also nicht weiteres übrig als weiter zu fahren. Wir passieren ein kleines Dorf, das uns nicht zum Verweilen einlädt. Alles wirkt verrammelt und verschlossen. Auf der Karte sehe ich vor uns einen kleinen Fluss – Übernachtung direkt am Fluss in einem Nationalpark? Das klingt gut. Glücklicherweise kann man tatsächlich genau an dieser Stelle von der Straße abbiegen und wir finden einen perfekten Fleck zur Übernachtung. Der Regen ist gerade abgezogen, so dass die Kinder lange am Fluss spielen können, während wir uns um Ordnung und Nahrungszubereitung kümmern. Am nächsten Morgen gehe ich kurz allein an den Fluss und höre plötzlich neben mir ein *PLUMPS*. Ich schaue nach links – weg sind sie. Das waren doch Schildkröten, oder? Ich verziehe mich schnell wieder und warte eine Weile. Dann starte ich einen neuen Versuch und schleiche mich an – tatsächlich. Flussschildkörten, die sich zum Sonnen ans Ufer gelegt haben. Diese Tiere sind aber so schreckhaft und scheu, dass man sie nur schwer zu sehen bekommt. Kaum entdecken sie einen – Plumps, weg sind sie. Das geht nun den ganzen Vormittag so. Bewaffnet mit 300mm-Tele, Baby auf dem Rücken und viel Geduld gelingt dann aber das eine oder andere Bild. Auch weil wir von der Brücke einen ganz guten Überblick auf den Fluss haben. Ich bin schwer beeindruckt von den Tieren. Der ein oder andere denkt jetzt vielleicht „eigentlich nicht so spektakulär“, aber wo sieht man das sonst? Richtig – nur im Zoo bzw. Tierpark. Aber ähnlich wie bei der Walbeobachtung in Tarifa ist die Faszination diese Tiere in freier Natur zu erleben für uns deutlich höher. An diesem und dem folgenden Tag verbringen wir noch einige Stunden beim Beobachten der Schildkröten und ihres kleinen Nachwuchs‘, unternehmen zwei Abend- bzw. Nachtwanderungen und genießen die Ruhe in der Natur.

BTW: Was hört man, wenn es um einen herum absolut still ist – ABSOLUT still (kein Wind, kein Auto, kein Tier, einfach Nichts!) ??? Richtig – nur sich selbst – das kann herausfordernd sein. Marla sagte jetzt mal zu mir: Kreativität entsteht nicht durch Nachdenken – Kreativität entsteht durch Stille. Das konnten wir in den Tagen eindrucksvoll erleben und das wüschen wir auch euch!

 Alles Liebe!

 Ben & die Bande!

 

PS: Zur Alcantarabrücke haben wir es dann doch noch geschafft. Ein wenig geocachen, Natur und Störche bestaunen – und nochmal einen Raubvogel vor der Linse. Auf nach Spanien!