„Wasser marsch!“ – und warum das für die Geburt so wichtig ist

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Nachdem wir im letzten Artikel ja über Schwangerschaft und so manch anderes aus dieser wertvollen Zeit geschrieben haben, habe ich die Gelegenheit genutzt, meine mittlerweile 4 Geburten noch einmal Revue passieren zu lassen. Ich hoffe ihr habt Freude beim Lesen – wer noch mehr Inspiration gebrauchen kann: Linda hat gerade ein wunderbares Ebook herausgebracht in denen einige meiner mittlerweile guten Freundinnen euch auch an ihren Geburten teilhaben lassen. In meinen Augen braucht es für eine gelungene Geburt genau das noch viel mehr: Ermutigung und Zuspruch, denn davon haben wir noch viel zu wenig, speziell was die Geburt angeht. Von daher bin ich so froh über Lindas tolles Projekt und hoffe ihr fühlt euch ermutigt beim Lesen der vielen wunderbaren Geschichten.

Meine 4 Kinder sind mittlerweile zwischen 9 und 2 Jahre alt, und ihre Geburten habe ich allesamt als wunderbare Erfahrung in Erinnerung. Ich gebe zu, ich mag die teilweise „entsetzten“ Gesichter der Leute, wenn sie merken, dass sie von mir keine (leider) Standard-Antwort zum Thema Geburt bekommen. (Im Sinne von – ja es war schrecklich, es musste sein, Komplikationen etc.) – Ich kann ehrlich sagen, jede Geburt war ein kraftvolles spannendes und wunderbares Erlebnis, und ich bin stolz, sie in jedem Fall gemeinsam mit meinem Baby gemeistert zu haben. Es ist immer DEINE eigene Reise, es macht dich zur Mama und dein Baby zu deinem Kind. Ich wünsche mir, die Leute zu ermutigen, sich zu trauen, diese Verantwortung wieder zu übernehmen, die Ihnen so oft im Prozess der Schwangerschaft abgenommen wird.

Mein erstes Kind bekam ich mit 23. Ich war in allen möglichen Situationen die jüngste (Vorbereitungskurs etc.), das ist es was ich aus der Zeit erinnere. Wir suchten uns damals eine super tolle Hebammenpraxis mit Geburtshaus, ein riesen Glück und ein Juwel, welches sich zu suchen lohnt! Die Besonderheit war, dass in dieser Praxis Hand in Hand mit einem Frauenarzt gearbeitet wurde. Es gab keine „Konkurrenz“ oder schrägen Blicke, nur ein wunderbares Miteinander in dieser Praxis. Da ich viele andere Geschichten kenne, kann ich dafür nur sehr dankbar sein. Ich hatte wenig Vorstellungen wie die Geburt denn nun werden sollte, aber eigentlich hätte ich gern in die Wanne gewollt.

Unser Sohn sah das aber ganz anders und beinahe wären wir nicht rechtzeitig in der Praxis angekommen 😉 So eine Gebärwanne hat mehrere hundert Liter Wasser Füllmenge und braucht mind. 30 min bis sie einsatzbereit ist – soviel Zeit war nicht. Meine wunderbare Hebamme sagte mir damals einen Satz, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist, sie war sich sicher nicht bewusst, dass dies für mich so wichtig war zu hören. Sie sagte: „Das hättest du auch alleine geschafft.“ Von Anfang an gab sie mir das Gefühl, ich kann das. Ich hatte ihr Vertrauen und durfte mich auf meinen Körper einlassen. Ich glaube mal abgesehen von den medizinischen Kenntnissen, die Hebammen auch beruftstechnisch mitbringen sollten, gibt es nichts wichtigeres, als eben dieses. Das ist es, was ihr in eurer Hebamme suchen solltet.

1.5 Jahre später wartete ich auf mein erstes Mädchen. Einen Laufanfänger parallel zur Schwangerschaft fand ich nicht so praktisch, von daher war ich nicht böse, dass meine Tochter sich eine Woche vor berechnetem Termin (von dem man sich eh viel mehr lösen sollte…) straks auf den Weg machte. Wir wussten dass wir nicht trödeln sollten, ich wollte diesmal endlich in die Wanne. – Doch auch dieses Kind machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich muss ihr zu Gute halten, dass sie sich zumindest nicht den Fahrstuhl ausgesucht hat, sondern ich wenigstens noch bis zum Geburtszimmer watscheln konnte. In diesem Fall durften wir direkt nach der Geburt in die Wanne, was ein sehr schöner Ausklang war, ein wenig versöhnlich 😉 Wir blieben bis zum Morgen noch im Geburtshaus und fuhren dann nach Hause den wartenden großen Bruder begrüßen. Ich weiß noch dass eine der Hebammen morgens unser Auto mit kleinen Blümchen geschmückt hat, so viele kleine liebe Gesten…

Zwei Jahre vorwärts gesprungen und diesmal gab es ein Winterbaby. Das Geburtshaus war keine 5 km entfernt, und trotzdem wusste ich, ich fahre nirgendwo mehr hin. Es gab einfach keinen Grund mehr, diesen Ortswechsel vorzunehmen, alles was ich brauchte, war Ruhe und mein gewohntes Umfeld. Wir fügten diesem „Setup“ noch einen Miet-Pool hinzu, denn ich war gewillt, es im dritten Anlauf endlich ins Wasser zu schaffen 😉 Wir hatten eine kleine Dachgeschoss-Wohnung, und der Pool stand aufgepustet ab 14 Tage vor Termin vor dem Balkonfenster und tauchte unser Wohnzimmer in hellblaues Licht. Ich bin so dankbar, auch damals Hebammen gehabt zu haben, die mir vertrauten und von denen ich – wenn ich es wollte – jederzeit Hilfe hätte haben können. Unter der Hand wussten sie aber glaube ich, dass ich es alleine machen wollte. Die Anfahrtszeit von über 45 min. hätte aber sowieso nicht ausgereicht, um pünktlich zur Geburt anwesend zu sein. Ich weckte nachts meinen Mann mit den Worten „Wasser an!!!“. Was er netterweise auch tat 😉 Mein zweites Töchterlein war auch nett und wartete bis ich endlich im Wasser war, dann allerdings war sie nach 2 Wehen schon am Paddeln. Ich weiß noch dass ich das plätscher-Geräusch und ihr paddel-strampeln so ungeheuer komisch fand… (nur gut, dass die Nabelschnur das Kind hindert davonzuschwimmen…)

Die beiden Geschwister kamen gleich danach dazu und staunten ihre Schwester an. Unsere Hebamme erreichte uns ein paar Minuten nach der Geburt und wir tauschten dann recht unaufgeregt vom Wasser aufs Sofa. Die beiden frischgebackenen „großen“ Geschwister durften das Baby auf die nackte Brust bekommen, und beide halten das Foto von diesem Moment bis heute als ihren kleinen Schatz.

Ein paar Tage später brachte mein Mann die gute Frau vom Einwohnermelde-Amt ein wenig ins Schlingern, denn Geburten-Anmeldungen machte sie eigentlich nie (in dem Kreis gibt es keine Geburtsklinik). Doch sie fand dann doch noch das richtige Formular.

Wir fanden uns 3 Monate später in einem anderen Bundesland wieder. Meinen Alltag veränderte das nur wenig mit den 3 Knirpsen, aber als ich wiederum 2 Jahre später wieder Grund hatte, nach Hebammenbetreuung zu suchen, machte sich das Fehlen meiner geliebten Hebammenpraxis doch schleunigst bemerkbar. Ich möchte euch ermutigen, euch DRINGEND gute Hebammenbetreuung zu suchen! Ich weiß um alle Schwierigkeiten, die rechtliche Lage, die finanzielle Situation und alle Probleme um die Versicherungs-prämien, doch das alles darf kein Grund sein, sich als Frau und Mama eines Grundrechtes berauben zu lassen: der freien Wahl eures Geburtsortes. Es ist nicht egal wie wir geboren werden. Ihr seid nicht allein.

Ich fand eine neue Hebammenpraxis (allerdings keinen einzigen Gynäkologen, der auch nur ansatzweise mit ihnen zusammengearbeitet hätte). Da meine Schwangerschaften großteils medizinisch sehr uninteressant verliefen, war das Gott sei Dank aber auch egal. Etwas anderes als mein Kind zu Hause und völlig nach meinem Gefühl zu bekommen, kann ich mir mittlerweile nicht mehr vorstellen. Ich finde es fürchterlich, von anderen Geburtsgeschichten zu hören, in denen so viele Kleinigkeiten oft so „unwürdig“ behandelt werden. Es gibt den Spruch: „Wenn die Frau unter der Geburt nicht wie eine Göttin aussieht, dann wird sie falsch behandelt.“ (Ina May Gaskin) Vielleicht muss ich ja nicht objektiv so aussehen ;-), aber ich sollte mich definitiv so fühlen dürfen. Und diese Erlaubnis müsst ihr euch selbst geben können, und zwar unabhängig vom selbst gewählten Geburtsort. Ich will nicht für irgendetwas werben, schon gar nicht für Hausgeburten, aber ich will, dass ihr eine FREIE Entscheidung treffen könnt. Für das, was für EUCH das beste ist.

Meine dritte Tochter/viertes Kind wurde – wie ihre Schwester zuvor – allein, zu Hause, geborgen, sprichwörtlich im Kreise ihrer Familie und im Wasser geboren.

Der "Start"...

„14 Tage später tauschten wir unsere Wohnung gegen ein 10 qm Wohmobil und fuhren 13 Monate kreuz und quer durch Europa. Unser 8-Minuten-Video dazu findet ihr HIER.“

Hinweis: Mein Artikel ist Teil eines kleinen Ebooks „Von uns für dich“, welches ihr zusätzlich zu Lindas tollem Buch über „Haus-/ und Alleingeburt  – Verstanden werden und mit Ängsten umgehen“ erhaltet. Das Buch gibt es noch bis Montag früh zum halben Preis!

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2 Comments

  1. Lucia M. Pichler 4. März 2017 at 6:27 - Reply

    Wie schön, Mareen! Danke fürs erzählen!! Klingt wirklich genau nach dem, wie Geburt im Idealfall ist: selbstbestimmt! Danke fürs dazu ermuntern und deine schönen Worte!

    Ich „musste“ erst eine traumatische Geburt erleben, von der ich im Nachhinein sage, dass sie sich wie eine Vergewaltigung anfühlte. Im Rahmen des Roses Revolution Day, Tag gegen Gewalt in der Geburtshilfe, habe ich darüber berichtet. Mit dem Ziel, auch andere zu ermutigen, für sich selbst einzustehen. http://bewusste-elternschaft.eu/roses-revolution-day-gegen-gewalt-geburtshilfe/

    genau dadurch bin ich dazu gekommen, Verantwortung für mich (und das neue Baby) zu übernehmen und ggf. auch bei anderen einzufordern!

    Die Geburt der Toddlerdame, die ich alleine in der Badewanne erlebte, war das beste, das ich tun und erleben konnte!

    Ich kann deinen Artikel also nur unterstreichen! Und ich freue mich riesig mit dir und euch, dass ihr von Anfang an gute Unterstützung hattet und selbstbestimmt sein konntet! 😀

    Ganz herzliche Grüße!
    Lucia

    • Marla 4. März 2017 at 16:41 - Reply

      Danke für deine Worte 😉 So schön weitere Erfahrungen zu hören, und tolle Geburtsberichte natürlich immer wieder gerne 😉 Es fehlt so sehr daran… so schade, so viele Schwangere sollten viel mehr „echtes“ zum Thema Geburt hören… Danke für dein Mit-Teilen!

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