Eine kleine Wüste, eine kleine Sagrada Familia

Von Valencia führt unser Weg etwas ins Landesinnere Richtung Novelda westlich von Alicante. Wir entdecken in unserem Reisebuch „Spanien mit Kindern“ das hübsche Castillo de la Mola nebst der Kirche Santa Maria Magdalena. Die beiden Gebäude liegen malerisch auf einem Hügel oberhalb der Stadt und bieten dem Wohnmobilisten den perfekten Übernachtungsplatz. Hier bleiben wir gleich zwei Tage – entdecken Natur, Castel und Kirche und genießen die Ruhe am Berg. Die Kinder tollen über den Parkplatz und genießen die frühlingshaften Temperaturen. Die Kirche wurde von einem Gaudí-Schüler entworfen, was an dem Außeren unverkennbar ist – sie sieht aus wie eine kleine Sagrada Familia. Der hier ansässige Multi-Cache wird von der Reisefamilie natürlich nicht vernachlässigt und bringt den männlichen Teil der Familie zur genaueren Untersuchung der Cache-Umgebung. Das führt dazu, dass wir das mobile Heim zu Fuße des Hügels rollen lassen und in die benachbarte kleine Salzwüste abbiegen. Dort suchen wir uns nach holpriger Fahrt ein nettes Plätzchen nahes eines salzigen Rinnsales und parken ab. Die Kinder matschen sofort lustig los und kommen mit dicker Salzkruste an Füßen und Beinen zurück. Kann der Haut nicht schaden… 😉 Die Sonne scheint recht sommerlich vom Himmel und wir lassen den Tag „fließen“. Am nächsten Vormittag gehe ich allein auf Cachertour. Der Weg führt am Salz-Bächlein entlang durch einen kleinen Canyon bis zu einem romantischen Salzsee, der von den Einheimischen angestaut und in eine gemütliche Badestelle verwandelt wurde. Hätten wir ohne die Plastikboxen-Jagd wohl nie gefunden. Ich springe ins kühle, salzige Nass und lasse mich treiben. Das Tote Meer lässt grüßen – ein cooles Gefühl. Zurück am WoMo berichte ich bei der Vormittagsmahlzeit von der Entdeckung, so dass wir beschließen den Salzsee gemeinsam noch einmal anzusteuern. Ich bringe das Gefährt auf Kurs und wir schippern los. Am Parkplatz angekommen müssen wir noch etwas am Salzbach entlang wandern, bevor die romantische Badestelle erreicht wird. Ein Badespaß für groß und klein, auch wenn die Kinder sich letztlich nicht ganz hinein trauten. Ist ja schon was Komisches – dieses Salzwasser.

Weiter geht’s über Murcia (das schwedische Möbelhaus unseres Vertrauens versorgte die kleine Fee mit einem Hochstuhl) Richtung Andalusien. Bei dem kleinen Städtchen Totana findet sich in Nähe eines Naturparks ein WoMo-Stellplatz, den wir für Ver-/Entsorgung und WiFi nutzen. Wir bleiben zwei Nächte und entdecken in der Nähe Zitronen- und Orangenplantagen, wo wir aufsammeln, was von der Ernte übrig bleibt bzw. an „wilden“ Sträuchern ernten. Über die amerikanische Webseite für virtuelle Sozialbeziehungen „verbinden“ wir uns mit einer Weltreisefamilie nahe Motril und verabreden uns spontan zu einem Treffen. Da wir gerade auf dem Weg Richtung Granada sind (die Alhambra ruft!), passt das perfekt. Nach einem nächtlichen Zwischenstopp nahe Almería treffen wir uns an einem kleinen Strand umgeben von der schroffen Bergwelt Südspaniens. Das Wetter schaltet diese Woche auf kühl und nass, aber gehört auch dazu. Die Kinder finden schnell zueinander und wir tauschen uns über Reiseerfahrung und Lebensvisionen aus. Da sie gerade auf Housesitting in der Gegend sind, parken wir an Tag 2 unseres Mehrtages-Treffens das Mobilheim vor ihr Leihdomizil und verbringen eine schöne Zeit zusammen. (Vielen Dank für eure Gastfreundschaft und weiterhin gute Reise!!!) Btw: Vom Pool „ihres“ Hauses hat man einen traumhaften Blick ins Tal über Motril Richtung Meer. Kann man machen. 🙂

Unser Blog soll immer wieder auch Raum für persönliche Gedanken bieten. Gerade bewegt uns die gnadenlose Ausbeutung der Agrarflächen hier in Südspanien. Jeder noch so kleine grüne Fleck, der nicht unerreichbar in den Bergen liegt, wird für die endlosen, plastikverpackten Gewächshäuser genutzt. Und warum? Ganz Europa will zu jeder Zeit frisches Gemüse essen können. Die Natur hier zahlt den Preis. Das macht uns nachdenklich. Müssen wir das spanische Gemüse im Discounter zu diesen gnadenlos billigen Preisen, zu jeder Jahreszeit uneingeschränkt zur Verfügung haben? Was denkt ihr?

Ende der Woche setzen wir um Richtung Granada. Wir werden berichten.

Von | 2017-07-16T02:10:59+00:00 19. März 2015|Begegnung, Nachhaltigkeit, Reisen, Sightseeing, Spanien, Wohnmobil|0 Kommentare

Über den Autor:

Benjamin ist Ehemann einer wunderbaren Frau und Papa 4 freier & wilder Kinder. Er reist für sein Leben gern und das am liebsten mit dem Wohnmobil.
Skifahren, wandern und Technik aller Art sind seine Hobbys und Leidenschaft.
Wenn er nicht gerade bloggt, recherchiert, schreibt oder Tatort guckt (meist nachts), “schafft” er als gutbürgerlicher Ingenieur für guten Sound im Fahrzeug.

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